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2. November 2026Kaltplasma bei der Wundheilung ist eine ärztlich begleitete Zusatztherapie für schwer heilende Wunden wie das Ulcus cruris oder den diabetischen Fuß. Es ersetzt keine klassische Wundversorgung, kann sie aber unter fachlicher Aufsicht sinnvoll ergänzen und so den Heilungsverlauf möglicherweise unterstützen.

Kaltplasma ist ein Gas-Gemisch aus elektrisch angeregten Teilchen, das in Kliniken und Praxen ergänzend zur Behandlung schwer heilender Wunden eingesetzt wird. Bei der Kaltplasma-Wundheilung kommt das Verfahren nicht als Ersatz, sondern als Zusatz zur ärztlichen Wundversorgung zum Einsatz. In diesem Artikel erfährst du, wie die Anwendung abläuft, wer sie durchführen darf, welche Zahlen aus der Forschung vorliegen und was du realistisch davon erwarten kannst.
Chronische Wunden wie das Ulcus cruris, der diabetische Fuß oder ein Dekubitus entstehen oft durch eine gestörte Wundheilung und können sich über Wochen bis Monate hinziehen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen von chronischen, also länger als acht Wochen bestehenden Wunden betroffen sind.
Gerade bei solchen schwer heilenden Wunden prüfen Ärzt:innen zunehmend, ob Kaltplasma die Standardtherapie sinnvoll ergänzen kann. Für Betroffene bedeutet eine chronische Wunde oft nicht nur körperliche Belastung, sondern auch einen spürbaren Einschnitt im Alltag, da regelmäßige Verbandwechsel, Arztbesuche und mitunter Einschränkungen der Mobilität notwendig werden. Viele Betroffene berichten zudem von psychischer Belastung, etwa durch Scham wegen des Wundgeruchs oder durch die Sorge, dass die Wunde nicht mehr abheilt. Diese Aspekte sollten in der Behandlung ebenso mitbedacht werden wie die rein körperliche Seite der Wundversorgung.
Was ist Kaltplasma und wie wirkt es bei der Wundheilung auf die Haut?
Kaltplasma ist der sogenannte vierte Aggregatzustand – neben fest, flüssig und gasförmig – und entsteht, wenn einem Gas gezielt elektrische Energie zugeführt wird, sodass geladene Teilchen, UV-Licht und reaktive Moleküle entstehen. Anders als bei technischem Plasma, etwa in Leuchtstoffröhren, das mehrere tausend Grad heiß ist, bleibt die Temperatur bei medizinischem Kaltplasma nahe der Körpertemperatur von rund 30 bis 40 Grad Celsius. Dadurch kann es direkt auf die Haut und auf offene Wunden aufgebracht werden, ohne Gewebe zu schädigen.
In der Wundbehandlung wird das Plasma mit speziellen medizinischen Geräten in einem Abstand von meist wenigen Millimetern bis Zentimetern direkt über die Wunde geführt. Die dabei entstehenden reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies werden in der Forschung als mögliche Einflussfaktoren auf das Wundmilieu diskutiert.
Untersuchungen weisen darauf hin, dass diese reaktiven Teilchen Bakterien auf der Wundoberfläche abtöten können, ohne dabei körpereigene Zellen in gleichem Maß zu schädigen. Zusätzlich wird vermutet, dass das Plasma die Durchblutung im behandelten Gewebe anregen und dadurch die Versorgung der Wunde mit Nährstoffen und Sauerstoff verbessern kann – belastbare, einheitliche Daten dazu stehen jedoch noch aus.
Mehr zur grundlegenden Wirkweise liest du im Beitrag Kaltplasma auf der Haut: Wirkweise, Vorteile & Anwendungen.
Wie läuft die Anwendung von Kaltplasma bei der Wundbehandlung ab?
Die Anwendung erfolgt in der Regel durch geschultes medizinisches Fachpersonal in Praxis oder Klinik und dauert je nach Wundgröße meist nur wenige Minuten pro Sitzung.
- Die Wunde wird zunächst gereinigt und begutachtet.
- Das Plasmagerät wird im geringen Abstand über die Wundfläche geführt, meist für ein bis drei Minuten je Wundareal.
- Die Behandlung gilt als weitgehend schmerzfrei, da keine Hitze auf das Gewebe einwirkt.
- Im Anschluss erfolgt die reguläre Wundversorgung mit passenden Wundauflagen.
- Je nach Befund wird die Anwendung in festgelegten Abständen wiederholt, teils über mehrere Wochen hinweg.
Wie oft und wie lange behandelt wird, legt die behandelnde Fachperson individuell fest – abhängig von Wundart, Größe und Heilungsverlauf. Eine pauschale Dauer gibt es nicht. Vor der ersten Anwendung wird die Wunde meist fotodokumentiert und vermessen, sodass der Verlauf über mehrere Sitzungen hinweg objektiv nachvollzogen werden kann.
Das erleichtert es, frühzeitig zu erkennen, ob die Zusatztherapie im Einzelfall einen erkennbaren Nutzen bringt, oder ob die Behandlungsstrategie angepasst werden muss. Manche Wundzentren ergänzen die Dokumentation durch standardisierte Wundscores, mit denen sich Größe, Tiefe und Beschaffenheit der Wunde über die Zeit vergleichen lassen.
So lässt sich objektiver beurteilen, ob die zusätzliche Behandlung tatsächlich einen messbaren Unterschied macht, statt sich allein auf den subjektiven Eindruck zu verlassen. Ausführliche Informationen zu Ablauf und Sicherheitsaspekten findest du auch im Beitrag Kaltplasma Anwendung & Sicherheit: Dein Leitfaden für gesunde Haut sowie in der Variante Kaltplasma Anwendung & Sicherheit: Dein Leitfaden für Hautpflege.
Wer darf Kaltplasma anwenden?
Die medizinische Kaltplasma-Therapie bei Wunden darf ausschließlich durch Ärzt:innen oder geschultes Fachpersonal in Praxis, Klinik oder Wundzentrum durchgeführt werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu kosmetischen Plasmageräten, die für den Hausgebrauch beworben werden und etwa im Bereich der Hautpflege zum Einsatz kommen. Diese Geräte arbeiten meist mit geringerer Intensität und sind nicht mit den in der Medizin eingesetzten Geräten zur Wundtherapie gleichzusetzen. Für die Behandlung von offenen Wunden sind sie nicht gedacht. Wer ein solches Gerät zuhause zur Hautpflege einsetzt, sollte es also nicht auf offene oder entzündete Hautstellen anwenden, sondern ausschließlich im vom Hersteller vorgesehenen kosmetischen Bereich nutzen.
Wie Kaltplasma stattdessen im kosmetischen Bereich zur Anwendung kommt, zeigen die Beiträge Kaltplasma in der Hautpflege: Dein Weg zu einem besseren Hautbild und Kaltplasma für strahlende Haut: Deine Geheimwaffe in der Hautpflege. Bei einer offenen oder schlecht heilenden Wunde gehört die Entscheidung über eine Kaltplasma-Wundheilung deshalb immer in ärztliche Hände.
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Kann Kaltplasma Wunden heilen?
Kaltplasma gilt derzeit als ergänzende Therapieoption, die unter ärztlicher Aufsicht bei bestimmten schwer heilenden Wunden eingesetzt wird – es ersetzt jedoch keine leitliniengerechte Wundversorgung. Die S3-Leitlinie Lokaltherapie schwerheilender und chronischer Wunden ordnet physikalische Verfahren wie Kaltplasma als eine von mehreren möglichen Zusatzmaßnahmen ein, die die Basistherapie ergänzen, aber nicht ersetzen können.
Studien deuten darauf hin, dass Kaltplasma die Keimlast auf der Wundoberfläche innerhalb weniger Behandlungstage spürbar verringern und den Heilungsprozess möglicherweise unterstützen kann. In einzelnen klinischen Untersuchungen an chronischen Wunden wurde über mehrere Wochen eine Verkleinerung der Wundfläche beobachtet, wenn Kaltplasma zusätzlich zur Standardtherapie eingesetzt wurde.
Belastbare, einheitliche Langzeitdaten für alle Wundarten liegen aber noch nicht vor, weshalb die Therapie meist individuell und begleitend zur Standardbehandlung eingesetzt wird. Fachleute betonen zudem, dass sich die bisherigen Studien oft in Teilnehmerzahl, Wundart und Behandlungsschema deutlich unterscheiden, was einen direkten Vergleich der Ergebnisse erschwert.
Deshalb wird in vielen Wundzentren empfohlen, den individuellen Therapieerfolg laufend zu dokumentieren, statt sich allein auf allgemeine Studienaussagen zu verlassen. Einen vertiefenden Blick auf die Studienlage bietet der Beitrag Kaltplasma & Wundheilung: Was Studien wirklich zeigen.
| Aspekt | Einordnung |
|---|---|
| Anwendungsort | Arztpraxis, Klinik, Wundzentrum |
| Wer wendet an? | Ärzt:in oder geschultes Fachpersonal |
| Dauer pro Sitzung | meist 1 bis 5 Minuten |
| Temperatur des Plasmas | ca. 30 bis 40 °C (körperverträglich) |
| Häufigkeit | individuell, oft über mehrere Wochen |
| Rolle in der Therapie | ergänzend, nicht als Ersatz der Standardwundversorgung |
Bei welchen Wundarten kommt Kaltplasma zum Einsatz?
Kaltplasma wird vor allem bei Wunden geprüft, die sich trotz klassischer Wundreinigung, Wundantiseptik und passenden Wundauflagen über Wochen bis Monate nur langsam schließen.
Dazu zählen etwa der diabetische Fuß, das Ulcus cruris venosum oder ein Dekubitus – Wunden, bei denen eine Wundheilungsstörung häufig durch Durchblutungsprobleme, Diabetes mellitus oder Keime wie MRSA begünstigt wird. Schätzungen zufolge entwickeln Menschen mit Diabetes im Laufe ihres Lebens in bis zu einem Viertel der Fälle ein diabetisches Fußgeschwür, das besonders langwierig heilt. Auch nach Operationen oder bei stark vernarbtem Gewebe wird Kaltplasma in Studien teils als unterstützende Maßnahme untersucht, etwa um das Infektionsrisiko im frühen Heilungsverlauf zu senken.
Themen wie Wundinfektion, Biofilm in der Wunde oder die Bedeutung der Ernährung für die Wundheilung spielen hier ebenfalls eine Rolle, werden aber in eigenen Ratgebern vertieft behandelt. Auch bei bestimmten Fragestellungen rund um Nagelpilz wird Kaltplasma in der Forschung diskutiert.
Entscheidend bleibt in jedem Fall, dass die Wahl der Therapieform zur jeweiligen Wundart, ihrer Ursache und dem individuellen Gesundheitszustand passt – eine pauschale Empfehlung für alle Wundtypen gibt es nicht. Auch das Alter der betroffenen Person, bestehende Vorerkrankungen und die aktuelle Medikation können eine Rolle dabei spielen, ob und in welchem Umfang Kaltplasma infrage kommt.

Welche Rolle spielt die Nährstoffversorgung bei der Wundheilung?
Wann zum Arzt?
Bestimmte Anzeichen solltest du ernst nehmen und zeitnah ärztlich abklären lassen – unabhängig davon, ob Kaltplasma später infrage kommt oder nicht:
- Die Wunde wird nach zwei bis vier Wochen nicht kleiner oder verändert sich kaum.
- Die Rötung um die Wunde breitet sich sichtbar aus oder vergrößert sich innerhalb weniger Tage.
- Es tritt Eiter aus, oder die Wunde riecht unangenehm.
- Fieber über 38 Grad Celsius, Schüttelfrost oder ein starkes Krankheitsgefühl treten auf.
- Die Wunde nässt stark oder blutet erneut.
- Du hast Diabetes, eine Durchblutungsstörung oder ein geschwächtes Immunsystem und die Wunde heilt ungewöhnlich langsam.
In diesen Fällen ist eine fachärztliche Einschätzung wichtig, um eine Wundinfektion oder eine ernsthafte Wundheilungsstörung frühzeitig zu erkennen. Verlässliche Basisinformationen zu Wunden und ihrer Versorgung bietet auch gesundheitsinformation.de, Hintergründe zu Erregern wie MRSA liefert das Robert Koch-Institut.
Sprich mit deinem Arzt über Kaltplasmatherapie
Ob Kaltplasma bei deiner Wunde sinnvoll sein kann, lässt sich nur im persönlichen Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt klären. Sie kennen deinen Wundbefund, mögliche Grunderkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen und können einschätzen, ob die Therapie als Ergänzung zur bestehenden Wundversorgung infrage kommt.
Sprich das Thema aktiv an, besonders wenn eine Wunde trotz guter Pflege über mehrere Wochen nicht wie erwartet heilt. Notiere dir im Vorfeld gern, seit wann die Wunde besteht, welche Vorbehandlungen bereits versucht wurden und ob Begleiterkrankungen wie Diabetes oder eine Durchblutungsstörung vorliegen – das erleichtert der Fachperson die Einschätzung und die Entscheidung über das weitere Vorgehen erheblich.
Frag auch gezielt nach, ob Kaltplasma an deiner Behandlungsstelle überhaupt verfügbar ist, da nicht jede Praxis oder Klinik über die entsprechenden Geräte verfügt, und ob die Kosten dafür in deinem Fall von der Krankenkasse übernommen werden.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Mehr im Wund-Ratgeber
Quellen und weiterführende Informationen
Häufige Fragen
Wie wird Kaltplasma bei der Wundheilung angewendet?
Medizinisches Fachpersonal führt ein spezielles Plasmagerät im geringen Abstand über die gereinigte Wunde. Die Sitzung dauert meist ein bis fünf Minuten und gilt als weitgehend schmerzfrei.
Wie oft darf man Kaltplasma machen?
Es gibt keine pauschale Häufigkeit. Die behandelnde Fachperson legt die Anzahl der Sitzungen individuell nach Wundart, Größe und Heilungsverlauf fest, oft über mehrere Wochen.
Wer darf Kaltplasma anwenden?
Die medizinische Kaltplasma-Therapie bei Wunden darf nur durch Ärzt:innen oder geschultes Fachpersonal in Praxis, Klinik oder Wundzentrum durchgeführt werden.
Kann Kaltplasma Wunden heilen?
Kaltplasma gilt als ergänzende, ärztlich begleitete Therapieoption bei bestimmten schwer heilenden Wunden. Es ersetzt keine leitliniengerechte Wundversorgung und ist nicht als alleiniges Heilmittel anzusehen.
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich an Ärztin, Arzt oder Apotheke.

Fachlich geprüft von: Marco Fechner, PTA – ausgebildete Fachkraft aus der Apotheke · N1 Produktexperte
Zuletzt aktualisiert: 02.11.2026
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