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3. November 2026Die Kaltplasmatherapie ist eine ärztliche Behandlungsmethode, bei der physikalisches Kaltplasma gezielt auf die Haut oder eine Wunde aufgebracht wird. Sie kommt in Kliniken und Praxen vor allem bei schwer heilenden Wunden zum Einsatz und wird von geschultem Fachpersonal durchgeführt – nicht mit Geräten für zu Hause.
Kaltplasma ist ein teilweise ionisiertes Gas, das bei Raumtemperatur erzeugt wird und reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies sowie UV-Strahlung in geringer Dosis abgibt. Im medizinischen Kontext wird es mit speziellen, zugelassenen Geräten erzeugt und unter ärztlicher Kontrolle angewendet. Die S3-Leitlinie zur Lokaltherapie schwerheilender und chronischer Wunden der AWMF ordnet physikalische Verfahren wie Kaltplasma als ergänzende Option in der Wundbehandlung ein. Auch das Robert Koch-Institut beschäftigt sich im Rahmen der Erforschung antimikrobieller Verfahren mit physikalischen Methoden zur Keimreduktion, zu denen auch Kaltplasma zählt.
Wie funktioniert die Kaltplasmatherapie?
Bei der Kaltplasmatherapie wird ein spezielles Handgerät über die betroffene Hautstelle oder Wunde geführt, ohne sie dabei zu berühren. Das erzeugte Plasma besteht aus geladenen Teilchen, reaktiven Teilchen und UV-Licht in niedriger Intensität, die auf die Haut einwirken. Die Behandlung erfolgt kontaktfrei und gilt als schmerzarm. Eine Sitzung dauert in der Regel nur 1 bis 5 Minuten pro behandelter Wundfläche, abhängig von der Größe des betroffenen Areals und dem verwendeten Gerätetyp. Welche Effekte dabei im Einzelnen eine Rolle spielen, wird in der Forschung weiter untersucht.


Technisch unterscheidet man dabei verschiedene Plasmaquellen, etwa das sogenannte Plasma-Jet-Verfahren, bei dem ein gebündelter Plasmastrahl punktuell auf das Gewebe gerichtet wird, und flächige Elektroden-Systeme, die größere Wundareale gleichmäßig behandeln können. Welche Gerätebauart im Einzelfall gewählt wird, hängt von der Wundgröße, der Lokalisation und der Erfahrung des behandelnden Zentrums ab. Beide Verfahrensarten arbeiten mit Niedertemperaturplasma, das deutlich unter der Temperatur liegt, die Gewebe thermisch schädigen würde, und sind in klinischen Studien auf ihre Sicherheit hin untersucht worden.
Welche Wirkung hat Kaltplasma auf Wunde und Gewebe?
Kaltplasma wirkt im Wundbereich auf mehreren Ebenen gleichzeitig, wobei die genauen Mechanismen Gegenstand laufender Forschung sind. Die reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies, die beim Plasmaprozess entstehen, sollen körpereigene Zellprozesse beeinflussen, die an der Wundheilung beteiligt sind. In Laboruntersuchungen und klinischen Studien wurden unter anderem folgende Effekte beobachtet:
- Anregung der Durchblutung im behandelten Gewebe, was die Versorgung der Wunde mit Sauerstoff und Nährstoffen unterstützen kann
- Beeinflussung von Entzündungsprozessen im Wundbereich
- Förderung der Bildung von neuem Bindegewebe (Granulationsgewebe) bei einigen untersuchten Wundarten
- Unterstützung der Zellteilung von Hautzellen am Wundrand
Diese Effekte wurden bislang vor allem bei chronischen Wunden wie dem diabetischen Fußulkus, bei venösen Beingeschwüren und bei postoperativen Wundheilungsstörungen untersucht. Eine pauschale Aussage, dass Kaltplasma bei jeder Wundart gleich wirkt, lässt sich aus dem bisherigen Forschungsstand nicht ableiten. Wichtig ist: Die Kaltplasmatherapie ersetzt keine notwendige chirurgische oder medikamentöse Behandlung, sondern wird ergänzend eingesetzt. Mehr zur richtigen Pflege und Versorgung von Hautverletzungen liest du in unserem Ratgeber zur Wundheilung fördern.
Wie wirkt Kaltplasma gegen Keime?
Ein zentraler Forschungsschwerpunkt der Kaltplasmatherapie ist die antimikrobielle Wirkung, also die Fähigkeit, Keime auf der Hautoberfläche und im Wundbereich zu reduzieren. Die reaktiven Teilchen und die UV-Strahlung des Plasmas können die Zellwände von Bakterien schädigen und so deren Vermehrung hemmen.
In Laborstudien zeigte sich eine Wirkung gegen verschiedene Bakterienarten, darunter auch gegen Stämme, die gegen mehrere Antibiotika unempfindlich sind, sogenannte multiresistente Erreger. Das macht die Methode für die Forschung besonders interessant, da die Zahl antibiotikaresistenter Keime weltweit zunimmt.
Laut Robert Koch-Institut sind resistente Erreger in deutschen Kliniken ein relevantes Thema der Infektionsprävention, weshalb ergänzende physikalische Verfahren wie Kaltplasma zunehmend untersucht werden. Klinisch bedeutet das: Die Reduktion der Keimlast auf einer Wunde kann das Risiko einer Wundinfektion verringern und dadurch den Heilungsprozess begünstigen.
Trotzdem ersetzt die Kaltplasmatherapie keine notwendige antibiotische Behandlung bei einer bereits bestehenden, ausgeprägten Infektion – diese Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Wenn du allgemein wissen möchtest, wie du eine Wunde sauber hältst und richtig versorgst, hilft dir auch unser Ratgeber zur Wundheilung fördern weiter.
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In welchen medizinischen Bereichen wird Kaltplasma eingesetzt?
Die Anwendungsbereiche der Kaltplasmatherapie in der Medizin haben sich in den vergangenen Jahren erweitert. Zu den am besten untersuchten Einsatzgebieten zählen:
- Chronische Wunden: etwa diabetisches Fußulkus, venöse Beingeschwüre und Dekubitus (Druckgeschwüre)
- Postoperative Wundversorgung: zur Unterstützung der Heilung nach chirurgischen Eingriffen bei verzögertem Wundverschluss
- Dermatologie: bei bestimmten entzündlichen Hautveränderungen, die ärztlich begleitet werden
- Zahnmedizin: Forschung zur Keimreduktion in der Mundhöhle und bei Zahnfleischentzündungen
- Onkologie: experimentelle Forschung zur möglichen Wirkung von Kaltplasma auf Tumorzellen, bislang überwiegend im Labor- und Tierversuchsstadium
Die meisten dieser Anwendungen befinden sich noch im Stadium klinischer Studien oder werden nur in spezialisierten Zentren angeboten. Breite Standardanwendung in der Regelversorgung ist bislang vor allem die Wundbehandlung bei chronischen, schwer heilenden Wunden.
Was ist Plasmatherapie genau?
Plasmatherapie bezeichnet die medizinische Anwendung von Kaltplasma im ärztlichen Rahmen. Plasma gilt neben fest, flüssig und gasförmig als vierter Aggregatzustand. In der Medizin wird sogenanntes „kaltes“ Plasma verwendet, das im Gegensatz zu technischem Hochtemperaturplasma die Haut nicht thermisch schädigt. Die Anwendung erfolgt in Kliniken, Wundzentren oder spezialisierten Praxen. Kosmetische Plasmastift-Geräte für den Heimgebrauch sind davon klar zu unterscheiden; sie dienen anderen Zwecken und sind nicht mit der ärztlichen Anwendung vergleichbar.
Wie oft darf man Kaltplasma anwenden lassen?
Die Häufigkeit der Kaltplasmatherapie legt die behandelnde Ärztin oder der Arzt individuell fest. Je nach Befund und Verlauf sind Anwendungen 2 bis 3 Mal pro Woche über einen Zeitraum von mehreren Wochen üblich.
In der von Stratmann und Kolleg:innen durchgeführten randomisierten Studie bei diabetischem Fußulkus wurde Kaltplasma über einen Zeitraum von 12 Wochen zusätzlich zur Standardwundversorgung eingesetzt (Stratmann et al., JAMA Netw Open). An der Studie nahmen 80 Patient:innen teil, bei denen der Wundverlauf unter Kaltplasma mit dem unter alleiniger Standardversorgung verglichen wurde.
Eine pauschale Anwendungshäufigkeit für alle Situationen gibt es nicht, da sie vom individuellen Befund abhängt.
Wie lange dauert eine Kaltplasmabehandlung?
Eine einzelne Sitzung dauert meist nur wenige Minuten, je nach Größe der behandelten Fläche. Die Gesamtdauer der Therapie über mehrere Sitzungen hinweg richtet sich nach dem individuellen Verlauf, liegt in Studien aber häufig im Bereich von mehreren Wochen bis zu wenigen Monaten, und wird durchgehend ärztlich begleitet.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Dauer einer Einzelsitzung | etwa 1 bis 5 Minuten, abhängig von der Fläche |
| Übliche Anwendungshäufigkeit | 2 bis 3 Mal pro Woche (individuell festgelegt) |
| Behandlungsdauer in Studien | bis zu 12 Wochen begleitend zur Standardversorgung |
| Anwendungsort | Klinik, Wundzentrum, Facharztpraxis |
| Kontaktart | kontaktfrei, schmerzarm |
| Festlegung der Häufigkeit | individuell durch behandelnde:n Arzt/Ärztin |
Welche Erfahrungen gibt es mit der Cold-Plasma-Behandlung?
Erfahrungsberichte und wissenschaftliche Studien zur Cold-Plasma-Behandlung beziehen sich überwiegend auf den Einsatz bei schwer heilenden Wunden im klinischen Umfeld. In der genannten Studie zu diabetischen Fußulzera zeigte sich bei einem Teil der behandelten Patient:innen ein günstigerer Wundverlauf im Vergleich zur alleinigen Standardversorgung, gemessen an der Verkleinerung der Wundfläche nach mehreren Wochen Behandlung.
Weitere kleinere Studien und Fallserien aus Europa berichten von ähnlichen Tendenzen bei venösen Beingeschwüren. Individuelle Verläufe sind dennoch unterschiedlich, und die Therapie ersetzt keine sonst notwendige Behandlung. Die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung weist darauf hin, dass weitere groß angelegte Studien nötig sind, um die Wirksamkeit von Kaltplasma bei verschiedenen Wundarten abschließend zu bewerten.
Was kostet Kaltplasmatherapie?
Die Kostenübernahme für die Kaltplasmatherapie ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Bei bestimmten chronischen Wunden kann die Behandlung im stationären oder ambulanten klinischen Rahmen Teil der regulären Versorgung sein, insbesondere wenn sie im Wundzentrum als ergänzende Maßnahme zur Standardtherapie erfolgt.
In anderen Fällen, etwa bei rein kosmetisch motivierten Anwendungen oder außerhalb anerkannter Leitlinienindikationen, kann eine Behandlung als individuelle Gesundheitsleistung angeboten werden, die selbst getragen werden muss. Ob und in welchem Umfang die gesetzliche oder private Krankenversicherung die Kosten übernimmt, lässt sich am besten vorab direkt mit der Krankenkasse und der behandelnden Praxis klären.
Frag im Zweifel konkret nach, welche Leistungen im Rahmen deiner Wundbehandlung regulär abgerechnet werden und wo Zuzahlungen anfallen könnten.
Welche Wirkung hat Kaltplasma auf die Haut?
Kaltplasma wirkt auf der Hautoberfläche und im oberflächlichen Wundbereich, wobei Studien bislang vor allem Effekte im Rahmen der ärztlichen Wundbehandlung untersucht haben. Die genauen Wirkmechanismen werden weiterhin wissenschaftlich erforscht; eine pauschale Wirkaussage für alle Hautzustände lässt sich daraus nicht ableiten. Entscheidend ist, dass die medizinische Anwendung ausschließlich mit zugelassenen Geräten und unter fachlicher Aufsicht erfolgt. Wer sich allgemein über die Pflege strapazierter Haut informieren möchte, findet ergänzende Hinweise in unserem Ratgeber zur Pflege bei trockener und beanspruchter Haut.
Wann zum Arzt?
Bestehende Wunden, die sich nicht von selbst bessern, gehören grundsätzlich in ärztliche Hände. Sprich zeitnah mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn eines der folgenden Anzeichen auftritt:
- Die Rötung um eine Wunde breitet sich aus oder wird wärmer
- Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl kommt hinzu
- Aus der Wunde tritt Eiter oder ungewöhnlicher Geruch auf
- Eine Wunde wird nach 2 bis 4 Wochen nicht kleiner oder heilt gar nicht ab
- Du hast Diabetes oder eine Durchblutungsstörung und bemerkst eine neue Wunde am Fuß
Nur eine ärztliche Untersuchung kann klären, ob eine Kaltplasmatherapie oder eine andere Behandlung im konkreten Fall sinnvoll ist.
Wie kann ich die Wundheilung zusätzlich unterstützen?
Neben einer möglichen ärztlichen Kaltplasmatherapie spielt auch die allgemeine Versorgung des Körpers mit bestimmten Nährstoffen eine Rolle für normale Körperfunktionen, die mit der Haut und dem Immunsystem zusammenhängen.
Für dieses Produkt liegen an dieser Stelle keine Angaben zu Anwendung, Dosierung oder Einsatzgebiet vor; nähere Informationen findest du in der jeweiligen Packungsbeilage. Ein Nahrungsergänzungsmittel ist kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und keine Behandlung von Wunden oder Erkrankungen.
Sprich mit deinem Arzt über Kaltplasmatherapie
Wenn du dich für die Kaltplasmatherapie interessierst, ist das ärztliche Gespräch der richtige erste Schritt. Nur eine Fachperson kann einschätzen, ob die Methode bei deiner konkreten Wunde oder Hautsituation infrage kommt, wie oft sie angewendet werden sollte und welche Ergebnisse realistisch erwartbar sind. Scheue dich nicht, gezielt nachzufragen, etwa in einem Wundzentrum oder bei einer auf Wundbehandlung spezialisierten Praxis.
Bring zu einem solchen Gespräch am besten eine Übersicht deiner bisherigen Wundbehandlungen und, falls vorhanden, Fotos des Wundverlaufs mit, damit die Ärztin oder der Arzt den bisherigen Verlauf besser einschätzen kann. Notiere dir außerdem Fragen zur Kostenübernahme, zur voraussichtlichen Anzahl der Sitzungen und zu möglichen Alternativen, damit im Gespräch nichts offenbleibt.
Zuletzt aktualisiert: November 2026
Quellen und weiterführende Informationen
Dieser Ratgeber stützt sich auf die folgenden Fachquellen und wird vor der Veröffentlichung fachlich geprüft.
Häufige Fragen
Ist Kaltplasmatherapie schmerzhaft?
Nein, die Anwendung gilt als kontaktfrei und schmerzarm, da das Plasma die Haut nicht direkt berührt.
Kann ich Kaltplasma selbst zu Hause anwenden?
Die medizinische Kaltplasmatherapie erfolgt mit zugelassenen Geräten unter ärztlicher Aufsicht in Praxis oder Klinik, nicht mit Heimgeräten.
Für wen ist die Kaltplasmatherapie geeignet?
Sie wird vor allem bei schwer heilenden Wunden wie dem diabetischen Fußulkus eingesetzt, die Eignung im Einzelfall klärt die behandelnde Ärztin oder der Arzt.
Ersetzt Kaltplasma die übrige Wundbehandlung?
Nein, sie wird über mehrere Wochen als Ergänzung zur bestehenden Wundversorgung eingesetzt, nicht als alleinige Behandlung.
Wirkt Kaltplasma gegen Bakterien?
Laborstudien zeigen eine keimreduzierende Wirkung auf verschiedene Bakterienarten, darunter auch einige antibiotikaresistente Stämme; das ersetzt aber keine notwendige antibiotische Therapie bei bestehender Infektion.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Kaltplasmatherapie?
Das ist unterschiedlich geregelt und hängt vom Einzelfall ab; am besten klärst du die Kostenübernahme vorab direkt mit deiner Krankenkasse und der behandelnden Praxis.
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich an Ärztin, Arzt oder Apotheke.

Fachlich geprüft von: Marco Fechner, PTA – ausgebildete Fachkraft aus der Apotheke · N1 Produktexperte
Zuletzt aktualisiert: 03.11.2026
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